Legenden des Ryûkyû Kobudô:

Über das Leben und Wirken des Taira Shinken

 

– verfasst von Matthias Golinski –

  

Taira Shinken wurde am 12. Juni 1897 in dem Dorf Nakazato auf der Insel Kumejima (Ryûkyû-Archipel, Präfektur Okinawa) geboren. Obwohl sein Geburtsname eigentlich Maezato war, nahm er später häufig „Taira“, den Mädchennamen seiner Mutter, an. Taira hatte zwei Brüder und eine Schwester. Allerdings wurde er bereits kurz nach seiner Geburt von seinen Eltern zur Adoption freigegeben [1] . Tairas Großvater, Kanegawa Gimu (1862-1921), war ein bekannter Vertreter der Waffenkunst und ein Experte im Umgang mit den Nichôgama (Doppelsichel), dem Tekkô (Schlagring), dem Surujin (Kette mit Gewicht) und Tinbe/Rôchin (Schild und Machete) [2] .

Taira besuchte die ‚Nakazato Jinjô Shô Gakkô' (Allgemeine Grundschule von Nakazato) und begann nach seinem Abschluss seine Arbeit in den Schwefel-Bergwerken der Nachbarinsel Minamijima. Eines Tages kam es dort zu einem Zwischenfall, der beinahe Taira das Leben gekostet hätte. Durch den Einsturz eines Trägerbalkens wurde er bei lebendigem Leibe begraben. Neben einigen Prellungen und Platzwunden zog sich Taira auch einen komplizierten Bruch im rechten Bein zu, woraufhin er zunächst seine Arbeit in der Miene aufgeben musste. Er zog daraufhin

Taira Shinken

 

Funakoshi Gichin beim Kobudô-Training

zuerst nach Kumejima zurück, um sich von den Verletzungen zu kurieren. Doch trotz der umfassenden Erholung sollte lebenslang ein Hinken am rechten Bein zurückbleiben.

Ausbildung

Später zog er nach Kita Daitojima um dort wieder seiner Arbeit als Bergarbeiter nachzugehen. Allerdings wurde er von seinen dortigen Mitarbeitern wegen seinem kranken Bein außerordentlich gemobbt. Daraufhin soll sich Taira entschlossen haben, sein Leben gravierend zu ändern und seine körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Also brach Taira 1922 nach Tôkyô auf, um im Kôdôkan bei Kanô Jigorô (1860-1938) das Jûdô zu erlernen. Wie viele okinawanische Immigranten wohnte dort Taira zunächst im Meishô Juku (Pensionat der Klaren Wahrheit), einer Herberge für okinawanische Studenten im Stadtteil Koishikawa/Suidobashi.

Funakoshi Gichin (1868-1957) sollte am 25. November dieses Jahres mit dem „Ryûkyu Kempô Karate“ das erste japanische Karatebuch veröffentlichen und unterrichtete vorwiegend im Leseraum des Pensionats [3] . Taira traf Funakoshi dort und war ausgesprochen begeistert von dessen Fähigkeiten. Also wurde er im September 1922 sein Schüler und trainierte für die nächsten sieben Jahre gewissenhaft unter Funakoshis Anleitung [4] . Funakoshi vermittelte ihm in dieser Zeit die 15 Kata, welche er selbst von seinen Lehrern Itosu Ankô (1832-1901) und Azato Ankô (1829-1906) erlernt hatte [5] . Mit der Zeit wurde Taira einer von Funakoshis engsten Schülern und dessen Assistenztrainer. Er begleitete Funakoshi häufig auf seinen Reisen zu den verschiedenen Universitäten der Kantô-Region und half ihm dort bei den Karate-Demonstrationen [6] .

Taira Shinken mit Tunfa (links) und Eku

Im Mai 1929 empfahl Funakoshi Taira, seinen Kampfkunst-Horizont zu erweitern und schickte ihn in das Dôjô des Kampfkunst-Meisters Yabiku Môden (1882-1941). Yabiku hatte auf Okinawa Karate unter Itosu und Kobudô unter Chinen Sanda (1842-1928), Tawada Shinkatsû Pechin (1851-1907) und Kanagusuku Sanda (1841-1920) geübt und war zu dieser Zeit die führende Kobudô-Autorität auf der japanischen Hauptinsel [7] . Von ihm lernte Taira den Umgang mit den klassischen Kobudô-Waffen (Langstock, auch Kun oder Kon), Sai (Dreizack), Nunchaku (Dreschflegel), Eku (Ruder) und Tunfa (Drehgriff einer Mühle) [8] .  

Nach drei Jahren Training erhielt Taira 1932 die Erlaubnis ein eigenes Dôjô zu eröffnen und zog nach Ikaho in der Präfektur Gunma. Anlässlich eines Lehrgangs im August 1933 überreichte Yabiku Taira das Shihan Menkyo, die traditionelle Lehrerlaubnis.

Yabiku Môden (kniend Mitte) mit einigen Schülern. Taira sitzt rechts neben Yabiku. Aufgenommen im Ikaho-Dôjô, 1933.

Taira im Mai 1933

Um sein Wissen über die Kampfkünste zu erweitern, bat Taira Funakoshi Gichin im selben Jahr, ihn mit Mabuni Kenwa (1889-1952) bekannt zu machen [9] . Mabuni hatte auf Okinawa ausgiebig unter Itosu und Higashionna Kanryô (1853-1916) trainiert. Außerdem hatte er Kobudô unter Chinen Sanda und Yabiku Môden geübt [10] . Selbst unter den etablierten Karatemeistern war Mabuni besonders wegen seiner umfassenden Kata-Fähigkeiten sehr geschätzt. Auf Empfehlung Funakoshis konnte Taira daraufhin 1934 sein Studium bei Mabuni beginnen. Daraufhin unterrichtete Mabuni Taira bis zu seiner Rückkehr nach Okinawa im Jahr 1940. Von Mabuni erlernte Taira die Kata Sensoko no kun, Sueyoshi no kun, Urazoe no kun, Hantaguwa no sai und Hamashiga no sai [11] .

Forschung und Entwicklung

Während dieser Zeit beschäftigte sich Taira auch theoretisch ausgiebig mit dem Kobudô und betrieb eine Reihe, für damalige Verhältnisse durchaus innovativer, Forschungen. Ein Produkt dieser Überlegungen war etwa die Entwicklung des Manji-Sai: Während eines Besuchs in einem buddhistischen Tempel erblickte Taira ein Manji, das alte Sankrit-Symbol für Leben und Wiedergeburt in Form eines Hakenkreuzes [12] . Nach seiner Rückkehr ins Dôjô entwickelte er nach dieser Impression eine spezielle Form des Sai, dessen zwei kleineren Spitzen S-förmig verlaufen und so an jeder Seite eine scharfe Kante bildet [13] . Passend dazu entwickelte er auch gleich die Kata ‚Jingen no manji-sai' (Grundlage der Liebe). Sie basiert weitgehend auf klassischen Sai-Techniken, wobei die spezielle Struktur des Manji-Sai berücksichtigt wird.

Weiterhin standardisierte er den Kobudô-Unterricht und entwickelte einen eigenen Lehrplan. Was heute als selbstverständlich anmuten mag, war seinerzeit ein absolutes Novum. Zum ersten Mal wurden die zuvor nur verstreut existenten, zahlreichen Waffentraditionen in einem festgelegten und in sich geschlossenen System unterrichtet.

Darüber hinaus verarbeitete und komprimierte Taira seine umfassenden Erfahrungen auch in zahlreichen selbstentwickelten Kata. Am bekanntesten mag hier die „Kongo no kun“-Form sein, in der Taira die zentralen Elemente und Prinzipien aus mehr als zwanzig Stockkampftraditionen einfließen ließ [14] .

Für den Nunchaku und den Sansetsukun (3-Element-Dreschflegel) gab es seinerzeit lediglich Einzeltechniken und keinerlei festgelegte Kata. Um hier die Techniken in einer standardisierten Form unterrichten und weitergeben zu können, entwickelte Taira die Maezato no nunchaku und einige Partnerübungen.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Tekkô und dem Surujin. Da auch hier nur eine Reihe von Techniken und Kombinationen existierten, entwickelte Taira die ‚Maezato no tekkô'- und die ‚Maezato no surujin'-Formen [15] .

Taira mit Schutzausrüstung

Fujita, Taira, Inoue (v.l.)

Das erste Hanshi-Diplom. Verliehen von Taira an Inoue Motokatsu

 

Weiterhin experimentierte Taira auch umfassend mit diversen Schutzausrüstungen. Seine Idee war es, möglichst gefahrlos starke Techniken am Partner üben zu können. Die Schwierigkeit lag hier darin, eine Schutzausrüstung zu entwickeln, die einerseits genügend Schutz bietet und andererseits die Bewegungsfreiheit nicht zu stark einschränkt. Diese Experimente mussten durch den Kriegsbeginn stark eingeschränkt werden und kamen somit niemals zu einem wirklich zufrieden stellenden Ergebnis [16] . Durch das Kendô inspiriert, entwickelte er auch Bambus- und –Sai, sowie ein spezielles Makiwara (Schlagposten) für das -Training [17] .

 Tairas unermüdliches Bemühen und Werben für das Kobudô blieb nicht unbemerkt und so konnte er mit der Zeit auch bekannte Kampfkunstgrößen wie etwa Hayashi Teruô (1926-2004), Sakagami Ryûsho (1915-1993), Konishi Yasuhiro (1893-1983) oder Kuniba Shiyogo (1935-1992) zu seinen Schülern zählen [18] . Durch diesen Umstand gewann die Kobudô-Bewegung in der Kantô- und Kansai-Region schnell an Bedeutung und Stabilität.  

Durch Konishi Yasuhiro lernte Taira schließlich auch Inoue Motokatsu (1918-1993) kennen. Der Sohn eines Armee-Generals hatte bereits ausgiebig unter Fujita Seiko (1899-1966), dem 14. Großmeister der Koga-Ryû Ninjutsu-Tradition, Yoshinkan-Aikidô-Begründer Shiôda Gozo (1915-1994), und Konishi Yasuhiro trainiert. Taira erkannte das Potential des talentierten Inoue und nahm in schließlich als Schüler an. Zu diesem Zeitpunkt konnte wohl noch niemand wissen, dass Inoue als erster ein Hanshi-Diplom von Taira erhalten würde und wahrscheinlich als einziger seiner Schüler einmal alle 42 Kata des Systems erlernen würde [19] .

Taira Shinken (r.) und Akamine Eisuke

Das Ryûkyû Kobudô Taikan

Durch die stetige Verbreitung des Kobudô auf Okinawa und dem Festland wuchs gleichzeitig auch die Nachfrage nach Lehrmaterialien. Taira hatte bereits 1938 ein spezielles Kapitel über den Umgang mit dem Stock für Nakasone Genwas (1895-1978) Mammutwerk „Karate-Dô Taikan“ verfasst [27] . Dort präsentiert Taira, neben Beiträgen von Karateexperten wie Hanashiro Chômo (1869-1945), Shiroma Shinpan (1889-1954), Mabuni Kenwa, Chibana Chosin und ôtsuka Hironori (1892-1982), die Kata Shushi no kun.

In Anlehnung an dieses Werk kam Taira 1964 mit der Veröffentlichung des ‚Ryûkyû Kobudô Taikan' (Die Enzyklopädie des Ryûkyû Kobudô) dem Wunsch der Öffentlichkeit nach. [28] Dabei war das Buch anfänglich eigentlich nur als Arbeitsgrundlage für die Lehrer des Stils gedacht. So wurde es nach Drucklegung am 20. August 1964, bereits am 25.08. an Tairas fortgeschrittene Schüler ausgegeben. [29] Erst später wurde es durch den Herausgeber Kogure Takehide auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. [30]

Das ‚Ryûkyû Kobudô Taikan' war damit die erste veröffentlichte Monographie zum Themenbereich des Ryûkyû Kobudô. Es umfasst neben einigen kurzen Biographien bekannter Meister auch die Kata Sushi no kun (dai), Sueyoshi no kun, Hamahiga no sai, Hamahiga no tunfa sowie ein paar grundlegende Nunchaku-Techniken. Ursprünglich sollte das Werk unter der Bezeichnung „Ken no Maki“ den Auftakt zu einer fünf Bände umfassenden Reihe darstellen. In vier weiteren Bänden (Gen no Maki, Ko no Maki, Ri no Maki und Tei no Maki) sollten weitere Kata und Partnerübungen veröffentlicht werden [31] . Wegen der zunehmend schlechteren Gesundheit Tairas kam es allerdings nicht mehr dazu [32] .

Kurz nach der Veröffentlichung dieses Werkes bekam Taira in Anerkennung für seinen unermüdliche Einsatz für die Verbreitung des Ryûkyû Kobudô die Hanshi (Meister-Lehrer)-Lizenz des ‚Zen Nippon Kobudô Renmei' verliehen.

Taira Shinken verstarb am 3. September 1970, im Beisein von über 50 seiner Schüler, an Magenkrebs.

 Der Nachwelt hat Taira Shinken den Gebrauch von 9 verschiedenen Waffen [33] und 42 dazugehörigen Kata auch durch zahlreiche Filmaufnahmen hinterlassen [34] . Ohne sein Wirken wären zweifellos viele dieser traditionellen Formen verloren gegangen und das Ryûkyû Kobudô hätte wohl kaum eine derartige, weltweite Verbreitung erlebt.

 

Ca. 1970: Taira Shinken (sitzend) Stehend von links nach rechts: Nakamoto Masahiro, Minowa Katsuhiko, Kinjo Kasufumi, Nagaishi Fumio (eingefügt), Akamine Eisuke und Nakasone Koshin

Sommer 1970: hintere Reihe v.l.: Nakasone, Nagaishi, Kinjo, Akamine. Vordere Reihe v.l.: Matsumoto, Inoue, Taira

 

 

Tairas Erben

Nach Tairas Tod fand ein starker Konsolidierungskurs unter den Mitgliedern des ‚Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai' statt. Man war bemüht, das Werk des Meisters geschlossen weiterzuführen. [35] Die bisherige Aufteilung des japanischen Festlands wurde allerdings aufgegeben. Während zu Tairas Lebzeiten Hayashi Teruo Generalvertreter für die Kansai-Region, Inoue Motokatsu Führer der Tokai-Region und Sakagami Ryushô Chef der Kantô-Region war, [36] wurde Inoue nun Generadirektor (Naichi Sô-honbu-chô) für das gesamte Festland. [37] Akamine Eisuke wurde als gebürtiger Okinawaner der zweite Präsident (Nidai Kaichô) des ‚Hozon Shinkôkai'.

Diese Harmonie blieb allerdings nicht lange bestehen. So verließ Inoue Motokatsu 1981 die Organisation und gründete das „Ryûkyû Kobujutsu Hozon Shinkôkai“. Nakamoto Masahiro gründete 1983 das ‚Okinawa Dentô Kobudô Hozon Kai' und auch Sakagami und Hayashi widmeten sich verstärkt ihren eigenen Organisationen und Stilen [38] .

Akamines und Inoues Organisationen sind dabei heute die beiden (auf Tairas-Lehre zurückgehenden) weltweit bedeutendsten Kobudô-Verbände. So unterscheidet man heute zwischen der Taira-Akamine- und der Taira-Inoue-Linie. Die Kata und Curricula der beiden Organisationen unterscheiden sich eher geringfügig und wie so oft beansprucht jede, den ursprünglichen Stil Taira Shinkens weiterzugeben.

Beiden Organisationen stehen heute die Söhne der Meister vor. So wird das ‚Ryûkyû Kobujûtsu Hozon Shinkôkai' seit dem 7. März 1993 von Inoues Sohn Kisho (*1954) geleitet, während das ‚Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai' seit 1999 von Akamine Hiroshi (*1954) geführt wird.

 

Tairas bedeutendste Schüler: v.l. Akamine, Hayashi, Inoue, Nakamoto, Sakagami

 

 

„Alle von uns die sich mit den alten Kampfkünsten Okinawas beschäftigen schulden dem verstorbenen Taira Shinken Dankbarkeit. Er hat die Grundlage geschaffen von der aus alle zukünftigen Arbeiten in diesem Bereich fortgeführt werden müssen.“

Sakagami Ryûsho, Begründer des Zen Nippon Karate-dô Itosu-kai [39]

 

 

 

Endnoten



[1] Adoptionen waren im Japan jener Tage keineswegs unüblich, da sie für kinderlose Ehepaare eine gute Möglichkeit darstellten, um den Familiennamen weiterzugeben. Vgl. McCarthy (1999), S. 103.

[2] Die Frage, ob Taira bereits durch seinen Großvater ins Ryûkyû Kobudô eingeführt wurde, kann nicht abschließend geklärt werden. In der Literatur finden sich sowohl verlässliche Quellen für (vgl. Daulton), als auch gegen (Vgl. Ko Taira Shinken Senshi Nana Shûki Tsuitô. Karate-Dô, Kobudô Enbu Taikai. Taira Shinken Den, 11. Oktober 1977, erwähnt in McCarthy (1999), S. 116) diese These. In Anbetracht der vorliegenden Fakten kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass eine Einführung durch Kanegawa durchaus im Bereich des möglichen liegt. Ein intensives Studium Tairas unter seinem Großvater ist hingegen schon in Anbetracht des jungen Alters Tairas eher als unwahrscheinlich anzusehen.

[3] Das Meishô Juku-Dôjô wurde von Funakoshi als Meiseijiku bezeichnet. Vgl. Funakoshi (1973), S. 11. Bei dem Wort „Jiku“ dürfte es sich wohl um einen Schreibfehler handeln. Vgl. auch Bittmann (2000), S. 99.

[4] Mario McKenna geht von acht Jahren Training aus. Vgl. McKenna.

[5] Pinan Shôdan-Godan (Heian), Naihanchi Shôdan-Sandan (Tekki), Passai (Bassai), Kôshôkun (Kankû) Chintô (Gankakû), Wanshu (Empi), Jitte, Jion und Seisan (Hangetsu). Die Frage ob Funaksohi Taira auch den Umgang mit dem vermittelt hat, wird in der Fachwelt mitunter stark diskutiert. Es ist bekannt, dass Funakoshis Vater Gisu ein Experte im Bôjutsu war. Vgl. Funakoshi (1993), S. 66. McCarthy ist der Ansicht, dass Funakoshi die Techniken des Sai von Azato und das Bôjutsu von Oshiro Chojo (1887-1935) erlernte. Vgl. KSL #29492, Mai 2006. Funakoshi unterrichtete gelegentlich auch Kobudô-Techniken an seine Karateschüler. Allerdings hat er niemals ernsthaft versucht, Aspekte des Kobudô ins Shôtôkan zu integrieren. Entsprechend ist es durchaus möglich, dass Funakoshi Taira auch im Bôjutsu unterrichtete. Ein eindeutiger Beweis dafür steht allerdings noch aus.

[6] Taira soll auf den Demonstrationen angeblich bis zu sechs Bretter mit Shutô-Uchi zerschlagen haben. Vgl. McKenna nach Nakasone.

[7] Vgl. McCarthy (1999), S. 105.

[8] Über die Kata Chinen Shikiyanaka no kun, Shushi no kun (dai/sho), Tsuken no kun, Sakugawa no kun (dai/sho), Yonegawa no kun, Shirotaru no kun, Tsuken Sunakake, Tsukenshitahaku no sai, Kojo no sai, Tawata no sai, Yakaa no sai, Hamahiga no tunfa, Yaraguwa no tunfa. Für die Techniken des Nunchaku gab es seinerzeit keine festgelegten Formen. Vgl. McCarthy (1999), 110.

[9] Vgl. McCarthy (1999), S. 105.

[10] Für weitere Infos über Mabuni Kenwa vgl. Golinski, Matthias (2003): Legenden des Karate: Mabuni Kenwa und sein Shitô-Ryû (http://www.tsuru.de/geschichte/mabuni/mabuni.htm).

[11] Vgl. McCarthy (1999), S. 110.

[12] Das Manji-Symbol wird im Sanskrit als „Swastika“ und im chinesischen als „Wantzu“ bezeichnet. Es ist ein uraltes Symbol und tief verwurzelt in der indischen und chinesischen Kultur. Im Gegensatz zu unserem Kulturkreis ist es dort mit überaus positiven Eigenschaften behaftet.

[13] Matayoshi Shinkô (1888-1947), ein Schüler von Agena Shokuhô (1870-1924) und Ire Moshigwa, soll nach einem Trainingsaufenthalt in Shanghai ungefähr zeitgleich auf Okinawa eine ähnliche Waffe entwickelt haben. Insgesamt ist zu bemerken, dass sich in ganz Süd-Ost-Asien dem Manji-Sai ähnliche Waffen finden lassen. Außerdem war auch auf Okinawa seit langem das Nuntibô, ein Speer mit einer dem Manji-Sai ähnlichen Spitze, bekannt. Von daher ist es unwahrscheinlich und nicht nachweisbar, dass Taira, wie oft behauptet, als erster das Manji-Sai entwickelte.

[14] Vgl. McCarthy (1999), S. 106.

[15] Die ‚Maezato no surujin'-Form ist durch den Tod von Tairas Schüler Akamine Eisuke verloren gegangen. Vgl. (http://www.ryukyu-kobudo.com/Kata/grading_system.htm)

[16] Diese Forschungen wurden nach Tairas Tod durch seinen Schüler Akamine Eisuke fortgeführt. Vgl. McKenna.

[17] Vgl. Sells (1993).

[18] Vgl. McCarthy (1999), S. 105.

[19] Vgl. Ryûkyû Kobujutsu Association Great Britain und http://yuishinkai.netfirms.com/Library/Inoue.htm.

[20] Okinawa bildete in der Endphase des Krieges die letzte Bastion der Japanischen Armee im Pazifik. Folglich wurde der Insel eine bedeutende strategische Bedeutung beigemessen. Vom 23. März 1945 an flog die US-Luftwaffe schwere Angriffe. Auf die ca. 430.000 japanischen Zivilisten wurde dabei wenig Rücksicht genommen. Die Invasion der US-Streitkräfte begann am 1. April und zog bis in den Juli heftige Gefechte nach sich. Am 21. Juni fiel die Hauptstadt Naha. Durch die Kampfhandlungen starben 130.000 Mitglieder der japanischen Armee, 12.283 US-Soldaten und unzählige Zivilisten.

[21] Vgl. McCarthy (1999), S. 107.

[22] Kamiya Jinsei wurde am 27. Mai 1894 in Itoman geboren. Er arbeitete als Mediziner und war Präsident der Sport-Vereinigung von Itoman. 1928 begann er sein Karate-Training unter Miyagi Chôjun (1888-1953) und erhielt im März 1961 seine Kyôshi-Lizenz von Higa Seikô. Außerdem erlernte er die Yamanne-Ryû Bôjutsu-Kata ‚Sakugawa no kun' von Kanagusuku Sanda, sowie die Sai-Traditionen von Chatan Yara und Hama Higa. Vgl. Hokama (2005), S. 46f.

[23] Vgl. Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai.

[24] Vgl. McCarthy (1999), S. 108.

[25] Vgl. McCarthy (1999), S. 108f.

[26] Vgl. McKenna.

[27] Für weitere Informationen vgl. Noble (1995).

[28] Vgl. Taira in McCarthy (1999), S. 3f.

[29] Vgl. McCarthy, KSL Message #1455, 8. August 1999.

[30] So ist Taira Shinkens Vorwort etwa auf den 1. November 1964 datiert. Die erste englischsprachige Übersetzung wurde 1995 von Patrick und Yuriko McCarthy veröffentlicht.

[31] Der zweite Band (Gen no Maki) sollte die Kata Soeishi no kun shô, Sakugawa no kun shô, Sesoko no kun und Tsukenshitahaku no sai beinhalten. Für Band drei (Ko no Maki) waren Soeishi no kun dai, Shirotaru no kun, Chinenshikiyanaka no kun und Chatanyara no sai no kun vorgesehen. Band vier (Ri no Maki) sollte Sakugawa no kun dai, Choun no kun, Tawada-ryû no sai und Techniken zum Nichôgama umfassen und für Band fünf (Tei no Maki) waren Yonegawa no hidari-bô, Yaka no sai, Kanegawa no tuifa, sowie Techniken zum Surujin und Partnerübungen geplant. Vgl. McCarthy (1999), S. 101. Einige Fehler im Originaltext wurden hier jedoch korrigiert.

[32] Vgl. McCarthy (1999), S. 109.

[33] Im ‚Ryûkyû Kobujûtsu Hozon Shinkôkai' wird das Eku gerne unterhalb des klassifiziert und daher von 8 Waffen gesprochen. Das Manji-Sai wird dabei stets unter dem Sai eingestuft.

[34] Diese Aufzeichnungen sollen angeblich heute im Smithsonian Institute, Washington, D.C. (http://si.edu/) hinterlegt sein. Vgl. Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai: Ko Taira Shinken Senshi Nana Shûki Tsuitô, Naha 1977, S. 15. Mein Kollege Andreas Quast (http://www.quastl.de) hat allerdings erst unlängst vergeblich versucht, diesen Film im Smithsonian Institute ausfindig zu machen.

[35] Wie groß die Geschlossenheit unter den bedeutenden Schüler Tairas in diesen Tagen war, lässt sich wohl besonders gut an Inoue Motokatsus dreibändigem (Jôkan, Chûkan, Gekan), ca. 1.500 Seiten umfassenden, Mammut-Werk ‚Ryûkyû Kobudô' (veröffentlicht zwischen 1974-1975) erkennen. So beinhalten die Bücher Vorworte von Akamine Eisuke und Higa Yûchoku, sowie Abbildungen von Nakamoto Masahiro.

[36] Vgl. auch Taira in McCarthy (1999), S. 4, sowie die Zusammenstellung des Verwaltungsrats des ‚Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai' a.a.O., S. 6.

[37] Vgl. Inoue (1974), S. 640.

[38] Beide hatten bereits zu Tairas Lebzeiten eigene Organisationen gegründet. So gründete Sakagami bereits 1955 das ‚Zen Nippon Karate-Dô Itosu-Kai'. Hayashi folgte 1961 mit dem ‚Japan Kobudô Kenshin-Ryû Kai'. Dabei blieben sie aber zunächst Taira und dem ‚Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai' angeschlossen.

[39] Sakagami (1974), S. 5.

 

 

 

 

 

Bibliographie

Bittmann, Heiko (2000): Karate-Dô: Der Weg der Leeren Hand; Meister der vier großen

       Schulrichtungen und ihre Lehre, Verlag Heiko Bittmann, Ludwigsburg (2)2000.

Daulton, Douglas: One Man's Mark – Taira Shinken's impact on the modern study of Ryukyuan weapons

Funakoshi, Gichin (1993): Karate-dô – Mein Weg, Heidelberg 1993.

Hokama, Tetsuhiro (2005): 100 Masters of Okinawan Karate, Selbstverlag, Nishihara 2005.

Inoue, Motokatsu (1974): Ryūkyū Kobudô Chûkan, Sekibundô Shuppan Kabushiki-gaisha, Tôkyô 1974.

McCarthy, Patrick (1999): Ancient Okinawan Martial Arts – Vol. 1, Rutland 1999.

McKenna, Mario: Taira Shinken (1897-??)

Noble, Graham (1995): The First Karate-Books – Part One

Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai – Association Overview

Ryûkyû Kobujutsu Association Great Britain (RKAGB): Grandmaster Motokatsu Inoue

Sakagami, Ryûsho (1974): Nunchaku and Sai – Ancient Okinawan Martial Arts, Tôkyô 1974.

Sells, John (1993): The Kobudo of Shinken Taira, in: Budo Dojo Magazine, Frühjahr 1993, S.23-26.

  

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© Matthias Golinski, 2007

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 Alle Abbildungen wurden dem Autor mit freundlicher Genehmigung von Russ Smith zur Verfügung gestellt.

Erstveröffentlichung: 15. September 2007

 

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